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Klöster, Wallfahrten und Pilgerpfade in Rheinhessen

An die ehemals reiche Klosterlandschaft Rheinhessens erinnern heute Weinbergslagen wie Sioner Klostermauer in Mauchenheim (Zisterzienserinnenkloster 1247 bis 1566), Straßennamen wie Antoniterstraße in Alzey (Antoniterkloster 1341 bis 1551/Hospital 1387 bis 1898) oder Gebäude wie die Karmelitenkirche (Kloster 1275 bis 1802), das Naturhistorische Museum (Reichklarenkloster 1272 bis 1781) oder die Alte Universität (Jeusitenkolleg 1615 bis 1773) in Mainz. Die berühmteste Ordensfrau Deutschlands, Hildegard von Bingen, stammte aus Bermersheim und wirkte in Bingerbrück. Ihr Kloster am Naheufer wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, die Filialgründung Eibingen besteht bis heute im Rheingau. Das »Historische Museum am Strom« in Bingen informiert nicht nur über Rheinromantik, sondern auch über die heilkundige Mystikerin.

Sowohl in der protestantischen Kurpfalz (südliches Rheinhessen) als auch im katholischen Kurmainz (nördliches Rheinhessen) wurden vom 16. bis 18. Jahrhundert viele Klöster zugunsten der Universitäten aufgehoben. Einen endgültigen Schlussstrich unter das mittelalterliche Klosterleben zog die französische Revolution, in deren Folge die linksrheinische Region Rheinhessen aus dem französischen Departement Mont-Tonnere (Donnersberg) entstand. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kam es wieder zu Ordensgründungen. Heute bieten u. a. die Missionsbenediktiner auf dem Jakobsberg bei Ockenheim (seit 1922), die Kreuzschwestern auf dem Binger Rochusberg (seit 1920) und die Dominikaner in Worms (seit 1929) Tage im Kloster, Seminare und Meditationswochenenden an. Das Hildegard-Forum auf dem Rochusberg erinnert mit einer Ausstellung und zahlreichen Workshops an die Hl. Hildegard.

Die Wallfahrt zu Ehren des Pestheiligen Rochus ist es auch, die durch Goethe in die deutsche Literatur eingegangen ist. Der Frankfurter Bürgersohn verrät in diesem Text viel von der Mentalität in der Region: »Nun wurden wir aber sogleich gewahr, dass wir uns dem Lebensgenusse näherten. Gezelte, Buden, Bänke, Schirme aller Art standen hier aufgereiht... Mit fetter, dampfender Speise nebst frischem, trefflichem Brot reichlich versehen, bemühten wir uns, Platz an einem geschirmten, langen, schon besetzten Tisch zu nehmen. Freundliche Leute rückten zusammen, und wir erfreuten uns angenehmer Nachbarschaft, ja liebenswürdiger Gesellschaft.«

Auch heute noch gibt es Wallfahrten, u. a. auf den Jakobsberg: 29. Juni,
Herz-Jesu-Fest mit Prozession; 13. Juli, Margarethen-Wallfahrt; 27. Juli,
Vierzehn-Nothelfer-Wallfahrt; 12. Oktober, Dionysus-Wallfahrt.

Schließlich zog sich seit dem Mittelalter von Worms nach Bingen ein Pilgerpfad, der vor allem durch Flurnamen belegt ist. »Alle sieben Jahre pilgerten ganze Scharen frommer Beter aus Kärnten, der Steiermark und Ungarn auf diesem alten Wallfahrtsweg zu der großen Heiligtumsfahrt nach Aachen«, schrieb Georg Wendel 1953 in der Wormser Zeitung. Dass es sich beim rheinhessischen Pilgerpfad um einen Jakobsweg handelt, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Der neue Name ist wohl dem seit 1999 festzustellenden Boom der europaweiten Jakobs-Wallfahrt in die galizische Stadt Santiago di Compostela zu danken. Denn auch wenn es Hinweise auf Jakobus gibt wie die steinernen Muscheln an der Apsis von St. Paul und am Jodokus der Nikolauskapelle im Wormser Dom, haben sich Jakobspilger wohl nur vereinzelt auf dem rheinhessischen Pfad bewegt. Die Aachener Wallfahrt und andere, lokale Wallfahrten nach Armsheim, Zell oder Worms brachten den Hauptteil der Pilger auf die Strecke.

Seit 2002 hat der CJD (Christliches Jungendwerk Deutschlands) den Wonnegauer Teil des Pilgerpfades zwischen Dittelsheim-Hessloch und Worms-Herrnsheim wieder entdeckt, teilweise auf eine neue Trasse geführt, beschildert und beschrieben. Die 14 km lange Wegstrecke eignet sich gut für einen Tagesausflug und lässt auch interessante Abstecher in die nahe liegenden Dörfer zu. An die Kreuzzüge erinnert die Steinkuppel des Heidenturms (Ev. Kirche Dittelsheim); sie bildet frühmittelalterliche Kuppelbauten aus Syrien und Palästina nach.

Die Lambertus-Basilika in Bechtheim erzählt durch ihren Baustil von der Zeit der Romanik. Westhofen bietet rund um den Marktplatz ein hervorragend erhaltenes barockes Dorfensemble und lädt in sein Heimatmuseum ein. In einer Kapelle der Osthofener Bergkirche findet man Wandmalereien der Katharinenlegende aus dem 13. Jahrhundert. Auch in Worms-Abenheim kann man das Heimatmuseum besuchen oder aber die außerhalb liegende Kapelle auf dem Klausenberg.

Und in Worms-Herrnsheim schließlich kann man sich im Englischen Garten des Empireschlosses, der 1788-92 von Friedrich Ludwig von Sckell angelegt wurde, von der Wanderung ausruhen. Natürlich kann man auch schon unterwegs einkehren und in einer der vielen Straußwirtschaften ein Glas kühlen Rheinhessenweins genießen, z.B. aus der Bechtheimer Lage Pilgerpfad.

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