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Rheinhessen bewegt - Straßen, Eisenbahnen und Radwege
Wo der Main in den Rhein fließt, also in Mainz, bauten die Römer eine Brücke. Ihre Straßen zielten auf den Militärstützpunkt im Rheinknie, einmal von Süden, sozusagen von Rom aus, um über Köln weiter nach Britannien zu gelangen, einmal vom westlichen Trier aus an die Grenze und zudem von Metz aus über Kaiserslautern nach Worms. Dieses enge Wegenetz gab es wohl teilweise schon zu keltischer Zeit, und es blieb auch - wegen der Geländetopografie und wegen der Reiseziele - später auch Grundlage des Wegenetzes, z.B. bei den Karolingern. Rheinhessen erhielt so seine Struktur. In Alzey kreuzten sich die Straßen, Postwege entstanden mit Umspannstationen wie in Flonheim, das so zum Marktflecken wurde. Pilgerpfade durchzogen das Land abseits der Dörfer, aber mit Blick auf die Übernachtungsmöglichkeiten in den Städten.
Die kurpfälzische Regierung erließ 1740 eine Chausseeordnung. Eine Kommission sollte den Straßenbau vorantreiben und überwachen. Daran erinnert der Alzeyer Straßenstein an der Kreuznacher Straße: »Erbaut 1778, 1779, 1780.« (Rose, Denkmäler an Straßen und Wegen, in: Heimatjahrbuch Alzey-Worms 2004, S. 22 ff.). Die französische Revolution unterbrach diese Planungen. Dafür ließ Napoleon 1811 eine Straße von Mainz nach Paris, sozusagen ins moderne Rom, bauen. Heute noch heißt sie in Mainz, Nieder-Olm und Alzey Kaiserstraße. Den Rheinhessen ist sie eher als B 40 bekannt, die allerdings nach dem Bau der Autobahnen A 61 und A 63 zur Landstraße (L 401) abgestuft wurde. Die Franzosen bauten mathematisch: Die kurmainzische Burg in Nieder-Olm wurde abgerissen und die Gemeinde so ihres Mittelpunktes beraubt. Es entstand ein Straßendorf. Alzey hatte mehr Glück: die Kaiserstraße führte außen a n den Stadtmauern vorbei. 1826 begann die großherzoglich-hessische Regierung erneut mit einem Straßenbauprogramm. Davon erzählt ebenfalls ein Gedenkstein bei Alzey. Dabei wurde angeordnet, Nuss- und Obstbäume am Straßenrand zu pflanzen. Daran erinnert Elisabeth Langgässer, wenn sie die Geografie ihrer Erzählung »Proserpina« (1929/1933) beschreibt: »In dem rheinischen Hügelland, dessen eintönige und unbewaldete Bodenwellen nach Südwesten in die pfälzischen Berge zu münden beginnen, hat sich dies alles zugetragen. Vielleicht ist es durchaus gleichgültig zu wissen, an welcher dieser weißen, von unschuldigen Apfelbäumen eingefassten Straßen der Schauplatz jener Dinge gewesen ist, denn sie alle laufen über magisches Land...« (S.13) Einige Nebenstraßen, wie die von Alzey nach Mauchenheim oder die von der alten B 40 nach Spiesheim führende Abbiegung, sind noch immer von Obstbäumen gesäumt. Seit kurzem ist die Straße von Kreuznach über Alzey nach Bad Dürkheim Teil der bundesweiten Alleenstraße und wird kontinuierlich nachgepflanzt (Deutsche Alleenstraße, Taschenbuch, ISBN: 3-9807271-0-6).
Ab Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts entstand ein feinmaschiges Eisenbahnnetz (Infos unter www.amiche.de mit Literaturhinweisen, u.a. R. Häußler, Eisenbahnen in Worms, 2003). Heinz-Egon Rösch schreibt zu den Nebenbahnen: »Die Rheinhessen haben den Bähnchen liebevolle Namen gegeben, die zumeist an eine Anekdote anknüpfen, die sich mit einer landbekannten Persönlichkeit zugetragen haben soll. So gibt es das «Amiche» (von Annemarie), das von Alzey über Selzen nach Bodenheim fuhr, das «Valtinche» (von Valentin), das von Köngernheim-Undenheim nach Nierstein dampfte und das Bawettche (von Babette), das von Sprendlingen über Wöllstein nach Fürfeld ratterte.« (Heimatjahrbuch Alzey-Worms 2004, S. 116 ff.) Das »Gickelche« brachte u. a. Hühner von Gundheim zum Wormser Markt. Parallel dazu verlief das »Wissegickelche« von Worms über Wiesoppenheim und Heppenheim an der Wiese nach Offstein und weiter nach Grünstadt. In seinem Buch »Rheinhessen auf historischen Wegen« (2003) hat Rösch beschrieben, wie aus dieser 1886 in Betrieb genommenen Bahnstrecke nach der Stilllegung 1969 neuerdings ein Radweg wurde. Die 28 km lange Route ist durch Beschilderungen gut markiert. Solche Strecken gibt es mittlerweile in Rheinhessen auch andernorts. Das Radwegenetz wird ständig weiter ausgebaut. Zudem hat in Gau-Algesheim ein Fahrradmuseum eröffnet. Man findet im geschmackvoll restaurierten Schloss Ardeck neben einer Vielzahl von Fahrrädern auch allerhand Informationen zur Geschichte des Radsports in Rheinhessen, zur Fest- und Feierkultur der Radler und zur Entwicklung der Radgeschichte (www.fahrradmuseum-rheinhessen.de). In einem eigenen Wettbewerb hat der VCD Rheinhessen außerdem inner- und außerörtliche Fuß- und Wanderwege getestet und prämiert. Bei der Rheinhessen-Information in Ingelheim sowie den örtlichen Touristinformationen erfährt man mehr über Rad- und Wanderführer der Region. Schließlich gibt es dort auch Auskünfte über die in den letzten Jahren immer häufiger genutzte Möglichkeit des Ballonfahrens über der weiten, waldarmen und himmelnahen Landschaft im Rheinknie.
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