Reife Trauben bei der Weinlese, © DWI © DWI

Der Jahrgang 2017 war im größten deutschen Weinbaugebiet durch eine Reihe von unliebsamen Witterungsphänomenen gekennzeichnet:

  • die Jahresniederschläge lagen zwar insgesamt im Durchschnitt der letzten Jahre, aber die Verteilung während der Vegetation war sehr ungleich: Zu Beginn der Vegetation war es zu trocken, in der Reifezeit zu nass
  • die mittlere Jahrestemperatur bis September lag um 1°C über der Norm;
    die späten Fröste im April verursachten deutliche Schäden an den jungen Trieben
  • die idealen Wachstumsbedingungen im Sommer führten zu einer äußerst frühen Reife der Trauben
  • die Hagelschläge im Monats-Rhythmus von Mai bis August schädigten Triebe, Laubwand und Beeren
  • die früh einsetzende Fäulnis –bedingt durch das gegenseitige Quetschen der prall gefüllten Beeren, durch Wespenfraß oder durch Hagelschlag - zwang viele Winzer in eine extrem frühe  Lese

Wasserhaushalt (Station Oppenheim – im Mittel der Jahre 545 mm):

Die Niederschläge lagen bis Ende Mai um ca. 70 mm hinter dem Mittel der Vorjahre zurück. Fast niederschlagsfrei war der April. Die Reben haben die Trockenheit relativ gut verkraftet Bei jüngeren Anlagen und Neuanpflanzungen eine Bewässerung der jungen Reben notwendig.

Die überdurchschnittlichen Juni-Niederschläge, der mit knapp 100 mm regenreiche Juli sowie der satte 90 mm-Regen im August haben das Defizit mehr als wettgemacht –inklusive der 40 mm-Zugabe im September. Gerade die späten Niederschläge in der Reifephase der Trauben stellten die Winzer und ihr  Qualitätsmanagement vor eine große  Herausforderung.

Temperaturen (siehe Anlage):

Erstmals seit vielen Jahren erreichten die Temperaturen im Januar mit einem Monatsdurchschnittswert von -0,9°C ein winterliches Niveau. Aber bereits der Februar und der März lagen um 2,5 bzw. 3,0°C über der Norm. Auch der April startete mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen. Das Schwellen der Knospen und der Austrieb setzten Anfang April – und damit etwa 14 Tage vor dem langjährigen Mittel ein. Ab Mitte April folgte eine Kaltphase, welche die anfängliche Turboentwicklung enorm bremste - bis hin zum zeitweisen Stillstand.

Die Spätfröste schlugen dann zum ersten Mal am 20. April zu - mit Extremtemperaturen von bis zu -7,7°C in 20 cm Bodenhöhe (Station Wöllstein). In Anbetracht der extremen Minustemperaturen waren die Schäden geringer als erwartet, was vermutlich auf die trockenen Bedingungen zurückzuführen war. Die Frostnacht am 24. April brachte weitere Frostschäden. Schließlich sank das Thermometer auch am 5. Mai noch einmal leicht unter den Gefrierpunkt. Betroffen waren auch Lagen, in denen  normalerweise keine Spätfröste auftreten.

Das südliche Rheinhessen blieb weitgehend von den Frostschäden verschont. Im rheinhessischen Durchschnitt ist mit einem Ertragsausfall durch den Spätfrost in einer Größenordnung um 20% zu rechnen.

Ab der zweiten Maidekade wurde es überdurchschnittlich warm und die Reben schalteten in ein extrem schnelles Triebwachstum um. Temperaturspitzen von weit über 30°C waren Ende Mai, im Juni und Anfang Juli keine Seltenheit. Der Mai, Juni und Juli waren verglichen mit dem langjährigen Mittel um 1,4°C, 2,5°C bzw. 1,4°C zu warm. Im Mai und Juni führte das starke Triebwachstum auf den anfänglich noch vergleichsweise kühlen und sehr trockenen Böden zu einer gehemmten Eisenaufnahme und infolge dessen zu einer stark ausgeprägten Chlorose. Besonders betroffen waren durch hohe Vorjahreserträge geschwächte Reben.

Blüte und Reifebeginn (siehe Anlage):

Die Blüte begann über eine Woche vor der Norm und verlief in vitalen Anlagen recht zügig, sodass nicht durch Frost, Hagel oder Chlorose geschädigte Weinberge normale Ertragspotenziale aufweisen.

Die frühe Blüte, die warmen Sommertemperaturen und der günstige Wasserhaushalt während der Beerenentwicklung führten schließlich zu einem um 10-14 Tage früheren Reifebeginn. 

Hagel:

Rheinhessen wurde von Mai bis August in verschiedenen Regionen immer wieder von Hagelschauern überrascht.
Im Mai (14.5.) hagelte es im Kühlen Grund um Freimersheim, Wahlheim und Esselborn. Ein weiterer Hagelschlag im Juni (20.6.) ging in Wendelsheim und Umgebung nieder. Im Juli (6.7.) wurden die Weinberge um  Alsheim, Guntersblum, Eimsheim, Wintersheim, Hillesheim, Dolgesheim, Gau-Odernheim sowie Gau-Bickelheim, Spiesheim, Schornsheim und Udenheim vom Hagel getroffen. Hier gab es Schäden bis 30%. Am 25. August kam es unmittelbar vor der Ernte noch zu einem dramatischen Hagelschlag in den Weinbergen um Gundersheim und Westhofen, durch den ca. 240 ha stark (ca. 100%), ca. 400 ha mittel und ca. 1.500 ha Reben schwach geschädigt wurden.

Rebenkrankheiten und Schädlingsbefall:

Anders als im Vorjahr gab es in diesem Jahr keine Schäden durch die Peronospora.

Bei Oidium wurde ein zunächst latenter Befall oftmals zu spät erkannt. Eine nicht erkannte Infektion konnte sich sehr schnell zu einem massiven Befall aufbauen, welcher dann vergleichsweise spät und unerwartet auffiel.
Botrytis und Essigfäule wurden durch die späten Niederschläge zu einer echten  Herausforderung.  Bei Rebsorten mit kompakten Traubenformen war in diesem Jahr eine massive Quetschfäule zu beobachten. Die ständig feuchte Witterung im August, die bei allen früh reifenden Rebsorten zu einer merklichen  Fäulnis führte, machte  einen extrem frühen Erntebeginn in der dritten Augustdekade notwendig. Mit dem reichlichen September-Regen forcierten die Winzer das Lesetempo.  Die folgende Abkühlung und das anschließende trockene Spätsommerwetter trugen zu einer leichten Entspannung bezüglich der Botrytis und Essigfäule bei.

Das Frühjahr war durch ein verhältnismäßig hohes Rhombenspanneraufkommen geprägt. Der Rhombenspanner frisst sich in die frischen Knospen der Reben.
Außerhalb der RAK-Gebiete (mit Pheromon-Ampullen bestückte Weinberge) wurde häufig ein ausgeprägter und lang anhaltender Traubenwicklerflug beobachtet.
Der August und September zeichneten sich durch ein starkes Auftreten von Wespen aus, die bei frühen Sorten teilweise erhebliche Fraßschäden verursachten.
Die Frühsorten und die roten Rebsorten waren bereits Mitte August durch Starenfraß gefährdet. Es wurden stellenweise sehr große Schwärme in den Weinbergen gesichtet. Die Witterungsbedingungen im August und September waren für den Populationsaufbau der Kirschessigfliege recht günstig. So konnte Mitte August in Heckennähe an vorgeschädigten Trauben (Oidiumbefall, Wespen- und Vogelfraß) eine erste Eiablage festgestellt werden. Eine vorzeitige oder selektive Lese war in diesen Fällen am wirkungsvollsten. Die Erfahrung zeigt, dass der Befall durch die Kirschessigfliege bei den gefährdeten Rebsorten wie Dornfelder, Portugieser oder Regent entscheidend durch den Gesundheitszustand der Trauben beeinflusst wird.
Aufgrund der fortgeschrittenen Reife waren Behandlungen mit Insektiziden wegen  der Wartezeiten kritisch zu prüfen und meist war eine vorgezogene bzw. selektive Lese vorzuziehen.

Das DLR in Oppenheim hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdient in diesem Jahr bereits Anfang April seinen Service gestartet und die Winzerinnen und Winzer in Rheinhessen zweimal in der Woche über den Stand der Vegetation, die Wetterprognose und die aktuellen Herausforderungen  im Pflanzenschutz informiert.

In diesem Jahrgang der Eskapaden und elementaren Überraschungen waren die Hinweise und Empfehlungen des DLR in Oppenheim eine für die weinbauliche Praxis in Rheinhessen äußerst hilfreiche und nützliche Dienstleistung.

In diesem jederzeit spannenden und aufregenden Vegetationsjahr waren schnelles Erkennen der Probleme, unkonventionelle Lösungen und Mut zum Handeln angesagt. Gute Nerven, eine optimale technische Ausstattung, gutes fachliches Know how sowie eine hohe Schlagkraft bei der Ernte waren gefragt  und manchmal brauchte es auch einfach nur Glück.

Quelle:
Dr. Bernd Prior, DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück
Abteilung Weinbau, Oenologie, Weinmarkt - Fachgruppe Weinbau
Wormser Str. 111, 55276 Oppenheim
Telefon:  06133-930-184  //  E-Mail:     bernd.prior@dlr.rlp.de

 

 

 

Rheinhessen bietet noch viel mehr:

Veranstaltungen & Weinfeste

in Rheinhessen

zurück

Veranstaltungen & Weinfeste in Rheinhessen




Pauschalen & Tagesprogramme

in Rheinhessen

zurück

Pauschalen & Tagesprogramme in Rheinhessen



Unterkünfte & Hotels

in Rheinhessen

zurück

Unterkünfte & Hotels in Rheinhessen




Winzer & Weingüter

in Rheinhessen

zurück

Winzer & Weingüter in Rheinhessen




Unser Servicekontakt:

Sie benötigen Unterstützung bei einer Buchung oder haben eine andere Frage? Wir helfen Ihnen gerne weiter!

(0049) 6136 9239822
Mo-Do: 08:30 - 16:30
Fr: 08:30 - 15:00
Oder einfach per E-Mail service@rheinhessen.info

Rheinhessen im Social Web:

Bleiben Sie auf dem Laufenden!