Schorle

Warum ist der Schoppen in Rheinhessen nur 0,4 Liter groß?

Immer wieder stellt man uns die verwunderte Frage, warum denn der Schoppen in Rheinhessen nur 0,4 l Inhalt groß ist, aber in den meisten anderen Regionen 0,5 l. Grund genug für uns, der Sache mal auf den Grund zu gehen.

„Schoppen“ kommt zunächst einmal von „schöpfen“ ist und ist ursprünglich ein Gefäß für Flüssigkeiten, später ein Hohl- bzw. Raummaß für Getränke. Im deutschsprachigen Raum herrschte im 19. Jahrhundert ein Riesendurcheinander was den Inhalt des Gefäßes betraf: in Baden 0,375 l, in Württemberg 0,459 l und in der Pfalz 0,35-0,4 l. Als die nichtmetrischen Maße in Süddeutschland 1872 von den metrischen abgelöst wurden, galt bis 1884 der Schoppen als offizielle Bezeichnung für 0,5 l. Im pfälzischen und im alemannischen Sprachraum bezeichnet „Schoppen“ heute meist einen halben Liter. In Rheinhessen - mal wieder ganz schön anders - hält sich aber hartnäckig die Größe von 0,4 Liter.

Um das zu verstehen, muss man noch tiefer in die Geschichte einsteigen. Mit der französischen Revolution wurden die lokal unterschiedlichen Maße neu geordnet. 1793 wurde der Liter als „republikanische Maßeinheit“ eingeführt und ins Dezimalsystem integriert: 1 l = 1 dm3 = 10 dl = 100 cl = 1000 ml. Die linksrheinischen Gebiete, die bis 1814 französisch waren, darunter die Pfalz und Rheinhessen, übernahmen dieses System, aber offenbar nur schrittweise und nicht in allen Bereichen. Das Maß, das vier Schoppen umfasste – nach der „französischen“ Neuordnung umfasste ein Maß zwei Liter und ein Schoppen damit 0,5 Liter -  differierte ursprünglich von Ort zu Ort. In Rheinhessen dominierten zuvor über Jahrhunderte das Mainzer und das Wormser Maß. Beide wurden auch in angrenzenden Gebieten übernommen. In beiden Maßen gab es so große und kleine Schoppenmaße. So umfasste der Mainzer Jungmaßschoppen 0,4236 Liter, der Altmaßschoppen 0,4714 Liter, in Worms waren es 0,4166 Liter und 0,5 Liter (laut Frank Wagner „Das Mainzer Weinmaß“, Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 36, 2010, S. 95-130). Ausgeschenkt wurde wahrscheinlich nach dem kleinen Schoppen. Es liegt also nahe, den 0,4-Liter-Schoppen in Rheinhessen auf den alten „kleinen Schoppen“ der Region zurückzuführen, den 0,5-Liter Schoppen in der Pfalz auf die „französische“ Metrik.

Lange Zeit gab es dann in den Gastwirtschaften den Wein nur in Schoppengläsern, bis dann zunehmend auch der „Halbe“ angeboten wurde. Ein halber Schoppen umfasst 0,2 Liter in Rheinhessen, bzw. 0,25 Liter in der Pfalz. Der oben schon zitierte Frank Wagner vermutet eher eine pragmatische als eine historische Erklärung und sagt, der Halbschoppen zu 0,2 bzw. 0,25 Liter sei erst in den 1970er Jahren aufgekommen, um in der Gastronomie mit dem kleineren Maß mehr Gewinn zu erzielen. Und dann kam da irgendwann noch das „Piffche“ dazu, das mit 0,1 Liter Inhalt den halben „Halben“ darstellt. Heute im Sinne von „Wine in Moderation“ sicher auch eine willkommene Entwicklung, um unbesorgt ein oder zwei Gläser Wein zum Essen zu genießen …

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