vollreife Trauben

Jahrhundertjahrgang 2018?

Viele Vorschusslorbeeren für den Jahrgang 2018

Im Spätsommer gibt es für viele Weinfreunde nichts Spannenderes, als über den kommenden Jahrgang zu spekulieren. Die ersten Trauben für Federweißen wurden bereits in der ersten Augustwoche geerntet. Gerne wird dabei von einem allgemeinen Lesebeginn gesprochen. Aber Federweißer ist in den Köpfen der Verbraucher mittlerweile ein eigenes Produkt und wird nur noch von den Winzern selbst und einigen Insidern als Zwischenstufe des Weinwerdens von Trauben gesehen.

In diesem Jahr ist das Orakeln wie er denn nun werden wird, der 2018er, aufgrund des schon seit der Rebblüte bestehenden Entwicklungsvorsprungs  und des sonnenreichen Sommers besonders spannend. Wann hatten wir das letzte Mal einen solch trockenen Sommer, wann waren wir mit der Reife so früh dran? Schnell ist man derzeit bei Vergleichen mit früheren Spitzenjahrgängen. Die Reifeentwicklung ist vergleichsweise weit fortgeschritten und ist ähnlich früh wie in den Jahren 2003 und 2011. Nur 2007 war noch etwas früher. Und wenn man noch weiter zurückgeht, landet man im Jahr 1976, ein absoluter Spitzenjahrgang dem auch ein heißer trockener Sommer vorausging.

Aber all diese Vergleiche sind müßig, denn jedes Jahr ist doch wieder anders. Es sind so viele Faktoren, die sich letztendlich auf die Qualität der Trauben auswirkten, denn nur aus wirklich perfekten Trauben kann man einen Spitzenwein keltern. Das Ergebnis richtet sich immer nach dem Faktor, der in geringster Menge vorhanden ist. Wesentlich ist jetzt die Witterung in den letzten Tagen vor der Lese. Viele Weinberge dürsten im Moment nach Wasser, sind in den letzten heißen Tagen in ihrer Entwicklung stehengeblieben. Die Beeren haben sich nicht mehr weiter gefüllt, durch die geringe Assimilation wurde nur wenig Zucker gebildet und auch kaum Säure abgebaut. Zu viel Regen wäre jetzt aber auch fatal. Die Beeren würden sich zu schnell füllen und platzen, so dass sich im Nu Fäulnis ausbreiten würde. Dem gefürchteten neuen Schädling Kirschessigfliege, den es in den eingangs genannten Vergleichsjahrgängen hierzulande noch gar nicht gab, ist es derzeit zu heiß und viele Winzer haben ihr auch mit dem Entblättern der Trauben den geliebten Schatten genommen.  Ideal wäre jetzt ein ergiebiger Landregen, aber kein Starkregen oder gar Hagel, um die mancherorts schon welken Beeren wieder aufzufrischen. Danach stehen sonnenreiche nicht zu heiße Tage und kühle Nächte auf dem Wunschzettel, die die Aromabildung fördern.

Die Vorzeichen für einen Spitzenjahrgang sind unumstritten positiv. Gerade die Rotweintrauben entwickeln mit der Sonne eine intensive Farbe und die hohen Mostgewichte verschaffen den Weinen nach der Vergärung eine gute Struktur und ein kräftiges Rückgrat. Bei den weißen Trauben werden die Winzer die Mostgewichte und die Säureentwicklung im Auge behalten müssen, da hier die Produktion von frischen, spritzigen und fruchtigen Weinen forciert wird. Die Erntemenge sieht aufgrund des guten Behangs sehr ordentlich aus. Diese hängt jetzt maßgeblich von den Niederschlägen der kommenden Tage ab. Sollten diese jedoch ausbleiben, werden sich die Erträge aufgrund geringer Saftausbeute beim Keltern schnell relativieren.

Drücken wir also weiterhin die Daumen für einen nächsten Jahrhundertjahrgang 2018.

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