Blüheinsaaten, © Zum goldenen Hirschen© Zum goldenen Hirschen
Weinberge bei Sonnenuntergang, © impossible films© impossible films

Leben zwischen Reben

Von Blüheinsaaten, Insektenhotels und PIWIs – ein Blick auf Nachhaltigkeit im Weinberg mit Andreas Hattemer.

Andreas Hattemer, © impossible films

„Je bunter ein Weinberg, desto mehr Insekten haben wir im Weinberg.“

Fragt man einen rheinhessischen Winzer, ist Nachhaltigkeit nichts wirklich Neues. Gut 2000 Jahre Weinkultur in der Region wären schließlich nicht möglich gewesen ohne das fortwährende Wirken von Nachhaltigkeitsprinzipien. Wie Nachhaltigkeit im Weinberg funktioniert und welche Maßnahmen von Rheinhessens Winzerinnen und Winzern ergriffen werden, lässt sich am besten vor Ort beobachten.

Andreas Hattemer zwischen den Rebzeilen, © impossible filmsAndreas Hattemer zwischen den Rebzeilen, @ impossible films

Biodiversität bringt konkrete Vorteile für das Ökosystem Weinberg. Eine Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten schafft dabei ein stabiles Gleichgewicht, in dem die Weinreben gut gedeihen. Nützliche Insekten fressen Schädlinge wie Milben, die die Reben befallen könnten und sind deshalb besonders gerne gesehen. Um zusätzlichen Lebensraum für Insekten zu bieten, werden in vielen Weinbergen „Insektenhotels“ aufgestellt, die z.B. Wildbienen einen Platz zur Aufzucht ihrer Nachkommen bereitstellen. Trockenmauern bieten Lebensraum für Eidechsen, Vögel und andere Tiere. Nützliche Insekten brauchen viele Blütenpflanzen. Winzer helfen mit Blüheinsaaten nach und sorgen dafür, dass es zwischen den Rebstöcken oft bunt blüht. Zusätzlich lockern Pflanzen den Boden oft besser auf als mechanische Arbeit, manche speichern Stickstoff fürs Pflanzenwachstum und schützen den Boden vor Erosion.

Begrünung in den Weinbergen, © Eva Grünewald, www.gruenewald-schnell.deBegrünung in den Weinbergen, @ Eva Grünewald, www.gruenewald-schnell.de

Eine weitere Maßnahme, die Reben zu schützen, lässt sich in vielen Weinbergen beobachten: Zwischen den Rebstöcken hängen kleine Dispenser, ca. 500 Stück pro Hektar. Diese verbreiten die Duftstoffe des weiblichen Traubenwicklers flächendeckend. Durch diese „Pheromonverwirrung“ finden Weibchen und Männchen dieses Schädlings nicht mehr zusammen und pflanzen sich nicht fort – Problem gelöst!

Dispenser im Weinberg, © Zum goldenen HirschenDispenser im Weinberg, @ Zum goldenen Hirschen

Einen anderen Ansatz verfolgt die Pflanzung von PIWIs, pilzwiderstandsfähigen Rebsorten. Dabei handelt es sich um eine Kreuzung aus erfolgreichen europäischen Rebsorten mit besonders robusten, gegen Pilzkrankheiten weniger anfälligen wilden Arten. Die daraus entstehenden Rebsorten haben eine eigene Charakteristik, wie die klassischen Rebsorten auch. Hier tun sich für experimentierfreudige Winzer noch viele unerschlossene Möglichkeiten auf.

Nachhaltigkeit endet nicht im Weinberg, sie setzt sich natürlich auch auf dem Weingut und in der Kellerei fort, von der Energie- und Wasser-Einsparung bis zu nachhaltigeren Verpackungsmethoden - aber das ist eine andere Geschichte.

Weitere Themen der Nachhaltigkeit in Rheinhessen unter: www.rheinhessen.de/nachhaltigkeit