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Unter dem Motto „Wein, Tourismus & Kultur – ein erfolgreicher rheinhessischer Dreiklang“ fand am 14. November 2018 die 9. Rheinhessen-Konferenz am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück (DLR) in Oppenheim statt. Initiatoren der Veranstaltung waren neben dem DLR die Rheinhessen-Touristik GmbH, Rheinhessenwein e. V., der Arbeitskreis Rheinhessen Kultur und Rheinhessen Marketing e. V. Die Veranstaltung gilt als Austausch- und Informationsplattform aller weintouristischer Aktiver in Deutschlands größtem Weinanbaugebiet.

Zu Beginn der Konferenz zeigte Michael Lipps, Dienstellenleiter des DLR, die enge Verzahnung der rheinhessischen und rheinland-pfälzischen Tourismusstrategien auf. „Der Dreiklang aus Wein, Tourismus und Kultur ist ein Potential, das wir für die Weiterentwicklung der Dachmarke Rheinhessen nutzen sollten!“, rief der dem Plenum zu.

In ihrem Grußwort betonte Landrätin Dorothea Schäfer (Landkreis Mainz-Bingen) die Notwendigkeit von Strukturen, um Rheinhessen weiter voranzubringen. „Nur eine Zusammenarbeit über die Grenzen der Gebietskörperschaften hinaus kann zum Erfolg führen.“, resümierte die Landrätin.

Landrat Ernst Walter Görisch (Landkreis Alzey-Worms) appellierte, den Finanzrahmen für das Regionalmanagement auf eine breitere Basis zu stellen, um den Weintourismus weiter entwickeln zu können. „Unsere Weine sind spitze, der Zuwachs im Tourismus entwickelt sich positiv und auch die Kultur hat sich auf den Weg gemacht. Wir sollten unser Netzwerk weiter entwickeln, um im Wettbewerb der weintouristischen Destinationen bestehen zu können.“, so Görisch.

Sarah Staub von inspektour Tourismus- und Regionalentwicklung aus Hamburg gab Einblicke in aktuelle Marktforschungsergebnisse der Studie „Destination Brand“ – einer repräsentativen Online-Erhebung mit rund 1.000 Befragten. 62 % der Befragten kennen Rheinhessen, damit rangiert die Region auf Platz 6 unter den 13 deutschen Weinanbaugebieten und konnte sich im Vergleich zur letzten Befragung sogar um 5 % verbessern. 45 % finden Rheinhessen sympathisch, 29 % würden Rheinhessen als Kurzreiseziel wählen und 19 % könnten sich sogar eine längere Reise in die Region vorstellen. Die Befragten sprechen Rheinhessen eine hohe Kompetenz beim Thema Wein zu: rund 55 % assoziieren Rheinhessen mit Wein, 41 % haben Interesse an einer Weinreise, während das Thema Kultur derzeit noch eine nachgelagerte Bedeutung hat. 25 % der Befragten halten Rheinhessen für eine Kulturreise geeignet. „Nutzen Sie Ihre Potentiale, um sie mit chancenreichen Urlaubsthemen wie z. B. Kulinarik, Städtetourismus, Landurlaub oder auch Naturerlebnissen zu verknüpfen.“, motivierte Staub die Teilnehmer.

Volker Gallé, Sprecher des Arbeitskreises Rheinhessen Kultur, gab einen Ausblick auf die notwendigen Maßnahmen zur Professionalisierung des Kultursektors in Rheinhessen. Anvisiert ist aktuell ein Projekt im Rahmen des LEADER-Förderprogramms der EU auf Rheinhessen-Ebene: Der Masterplan „Netzwerk Kultur“ soll mögliche Strukturen für die Region aufzeigen und sie am Ende auch politisch vorbereiten bzw. umsetzen. „Für den Kulturbereich gibt es in Rheinhessen bislang keine professionellen Strukturen, um gemeinschaftliche Projekte umzusetzen. Auf Regionalebene ist der Bedarf an Vernetzung, Koordination und Beratung vorhanden, aber es fehlen die Umsetzer und Kümmerer.“, attestierte Gallé.

Christine Wingert von der Kulturpolitischen Gesellschaft aus Bonn zeigte mit einem Blick auf unterschiedliche Kulturregionen Modelle von Stadt-Land-Kooperationen auf und gab Einblicke in mögliche Vernetzungsformen und Strukturen. Als Voraussetzungen für erfolgreiche Netzwerke seien gemeinsame Ideen, Aufgaben und eine gemeinsame Philosophie genauso wichtig wie eine kooperative Grundhaltung, vernetztes Denken und ein Dialog aller Akteure auf Augenhöhen. „Bei all dem darf natürlich auch die Ausstattung mit entsprechenden Ressourcen nicht fehlen.“, gab Wingert zu bedenken.

Eine Talkrunde mit den Tourismusvertretern der Städte Alzey (Elena Anesiadis), Bingen (Georg Sahnen), Mainz (Philipp Meier), Worms (Bernd Leitner) sowie der Regionalagentur Rheinhessens (Christian Halbig) gab Einblicke in das Leitprojekt “Zielgruppenorientierter Kulturtourismus“ der Tourismusstrategie Rheinhessen 2025. Gemeinsam wurden sieben „Leuchttürme“ für die Vermarktung definiert, die über ausreichend Schlagkraft verfügen, um im Wettbewerb bestehen zu können und zudem eine Relevanz für die ausgewählten Zielgruppen im Rheinhessentourismus haben: die Dome in Mainz und Worms, die Mainzer Fastnacht, Rhein in Flammen in Bingen, die Nibelungen-Festspiele in Worms und als historische Persönlichkeiten Hildegard von Bingen und Johannes Gutenberg. „Die Leuchttürme äußern sich in Angeboten und Produkten, die in der Vermarktung nach vorne gestellt werden sollen. Sie sind quasi unsere „Türöffner“ für viele weitere Angebote, die dem gemeinsamen Bereich unterliegen.“, fasst Philipp Meier von mainzplus CITYMARKETING zusammen. Mit Hilfe von Virtual- und Augmented Reality kann die konkrete Erlebbarmachung von historischen Begebenheiten gelingen.

„Durch gemeinschaftliches Marketing und Kommunikation können wir Streuverluste vermeiden und Synergien nutzen.“, so Geschäftsführer Christian Halbig von der Rheinhessen-Touristik GmbH. Dafür bündeln alle Partner in 2019 finanzielle Mittel, um im ersten Schritt insbesondere Inhalte für das gemeinschaftliche Marketing zu entwickeln. Parallel hierzu wird angestrebt, die Erlebbarkeit der touristischen Produkte von kommunaler Seite ständig zu verbessern.

Zum Abschluss der Konferenz gaben Stefan Spies von GUT LEBEN am Morstein in Westhofen, Roland Kalus vom Kulturgut Bechtolsheim, Wolfgang Weyell von Kultur auf dem Hof in Dexheim und Peter Kunze von der KiStE Stadecken-Elsheim Einblicke in ihr Kulturangebot. Mit hochrangigen Kabarett- und Musikveranstaltungen ziehen sie Gäste aus der Rhein-Main-Region nach Rheinhessen. „Bei den Kommunikationsmöglichkeiten stoßen wir oft an kommunale Grenzen. Wir würden uns über eine rheinhessenweite Kommunikations- und Marketingplattform freuen. Vielleicht wäre in der Allgemeinen Zeitung eine „Rheinhessen-Kultur“-Seite möglich bzw. eine bessere Integration in die bestehende Kommunikation der rheinhessischen Akteure.“, schlugen die Kulturtreibenden vor. Eine regionale Kampagne wäre ebenso hilfreich wie letzten Endes auch die passende Infrastruktur.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass es sowohl die kulturellen „Leuchttürme“ in den Städten braucht, ebenso wie die „Leuchtfeuer“ der Kultur auf dem Land, um Rheinhessen für das Thema Kultur im Dreiklang mit Wein und Tourismus stärker zu profilieren.

Kathrin Saaler, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück

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