
Wenn man in Mainz von Fastnacht, Haltung und Geschichte spricht, führt kein Weg am Ranzengardisten vorbei. Denn mit der Mainzer Ranzengarde entstand 1837 die erste Garde der Stadt – gegründet von einem Mann, der weit mehr war als ein närrischer Visionär.
1837 gründete Johann Maria Kertell die Mainzer Ranzengarde – und tat dies mit feiner Ironie. Die Aufnahmebedingungen waren bewusst überzeichnet:
„Mindestgewicht von 100 kg bei einem Leibesumfang von rund 183 cm."
Diese Kriterien waren eine humorvolle Persiflage auf das preußische Militär, insbesondere auf die berüchtigten „langen Kerls“, die damals in Mainz stationiert waren. Zwischen 1816 und 1866 war die Stadt Festung des Deutschen Bundes und dauerhaft mit einer preußischen Garnison belegt. Die Ranzengarde antwortete darauf mit Humor, Selbstbewusstsein und rheinischer Lebensfreude – eine Haltung, die bis heute trägt.
Was die Ranzengarde seit jeher auszeichnet, ist ihre tiefe Verwurzelung im bürgerlichen Leben der Region. Viele Mitglieder stammen aus der rheinhessischen Weinwirtschaft – und das zeigt sich auch in einer ganz besonderen Tradition:
Jedes Jahr wird unter Winzerinnen und Winzern der Ranzengarde der Gardewein der Kampagne in einer Verkostung ausgewählt. So unterstützt die Garde aktiv die heimische Weinlandschaft und gibt ihr auf der Fastnachtsbühne eine Bühne.
Gardewein der Kampagne 2026:
Riesling „Burgweg“ vom Weingut Kastanienhof
Der Ranzengardist ist damit weit mehr als eine Figur der Fastnacht. Er steht für bürgerlichen Mut, für Traditionsbewusstsein, für Humor als Haltung – und für die enge Verbindung von Mainz, Fastnacht und Rheinhessische Weine. Genau so, wie es schon Johann Maria Kertell gedacht hat.