Orgelkonzert Martin Setchell
Oppenheim
am 28.06.2026 um 19:00 Uhr

Oppenheim
am 28.06.2026 um 19:00 Uhr
Er ist im 20. Jubiläumsjahr der Oppenheimer Woehl-Orgel wohl der Gratulant mit der weitesten Anreise: Martin Setchell. Der umtriebige, in England geborene Organist der Christchurch Town Hall wurde schon als ‚Neuseelands meistgereister Konzertorganist' betitelt. Nach über 40 Jahren als Mitarbeiter der University of Canterbury School of Music trat er 2014 als außerordentlicher Professor für Musik zurück, um freiberuflich als Interpret, Gastdirigent und Konzertorganist, Autor, Musikredakteur, Redner und Lehrer zu arbeiten. Mit einer guten Portion britischen Humors ist er – gemeinsam mit seiner Frau Jenny, deren humorvolle Bücher über Orgeln und Organisten bei Profis und Laien gleichermaßen als vergnügliches „Must-have“ gehandelt werden – so unterwegs und begeistert auch in Oppenheim sein Publikum seit vielen Jahren mit seinem virtuosen Spiel, seiner lebhaften Persönlichkeit und seinem abwechslungsreichen Repertoire.
Am Sonntag, dem 28. Juni um 19 Uhr wird er in der Katharinenkirche an der Woehl-Orgel ein Programm mit Facetten europäischer Klangfarben entfalten.
Mit der Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur (BWV 564) präsentierte sich der junge Johann Sebastian Bach im Alter von nur 23 Jahren bereits am Weimarer Hof. Im Schatten der bekannteren Toccata in d-Moll, aber ihrerseits eines der glanzvollsten und expressivsten Orgelwerke des Komponisten, besticht die Toccata in C-Dur durch die silbrige Transparenz der norddeutschen Schule, wie er sie in seinen norddeutschen „Wanderjahren“ in Lübeck bei Dietrich Buxtehude kennengelernt hatte.
Ganz anders dann der Zungenschlag der französischen Orgelmusik im Werk Louis Viernes, der von 1900 bis zu seinem Tod als Titularorganist an der Pariser Kathedrale Notre-Dame wirkte. Sein Name steht für Kompositionen, die einen Gipfel der Komplexität und Virtuosität französischer Orgelsinfonik darstellen. Aber er konnte auch anders: In der meditativen Stimmung des kleinen Charakterstücks „Claire de Lune“ aus den Pièces de Fantasie wird durch feinste klangliche Nuancen das Lichtspiel des Mondlichts vor der Weite des nächtlichen Himmels wahrnehmbar.
Ebenfalls weitgereist und in dieser Hinsicht dem Solisten des Oppenheimer Konzertabends durchaus verwandt, war Alexandre Guilmant. Er feierte bejubelte Erfolge an den großen Instrumenten der Welt, wozu das seinerzeit größte Instrument in St. Sulpice/Paris, aber auch die Wanamaker-Store-Orgel in Philadelphia – die noch heute weltweit größte spielbare Orgel – gehörte. Er gilt als Wegweiser der eigenständigen französisch-romantischen Klangsprache, wovon die poetische Stimmung der Pastorale und die strahlende Energie des Finales aus seiner 1. Orgelsonate ein eindrucksvolles Zeugnis ablegen, die Martin Setchell im Oppenheimer Konzert spielen wird.
Eine Referenz an die Musik der Renaissance und eine Verbeugung vor dem Werk des britischen Komponisten Thomas Tallis stellt schließlich die 1940 entstandene Komposition „Master Tallis‘ Testament“ von Herbert Howells dar. Und die Orgel erzählt eine ferne Geschichte, sorgt durch Anklänge an alte Kirchentonarten für harmonische Überraschungen, gewinnt an kraftvoller Körperlichkeit, bis sich die Erinnerung in einem adagio perdendosi auflöst.
Sonntag, 28. Juni, 19 Uhr
Orgelkonzert
Johann Sebastian Bach: Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564
Louis Vierne: Clair de Lune
Felix Alexandre Guilmant: 1. Orgelsonate (Pastorale, Finale)
Howells: Master Tallis‘ Testament
Orgel: Prof. Martin Setchell, Christchurch (Neuseeland), University of Canterbury
Preiskategorie B
18 Euro, ermäßigt 12 Euro