Die kurpfälzischen Herrschaftsbedingungen führten den Ingelheimer Grund und damit auch seine ehemaligen Reichsdörfer bereits früh auf die Seite der Reformation. Deren Folgezeiten brachten weitere, vielfach wechselnde Verhältnisse und entsprechende Kontroversen. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde Großwinternheim calvinistisch, der begüterte Adel blieb katholisch. 1689 bis 1705 galt die Situation eines Simultaneums. Danach behielten die Katholiken, deren Zahl sich durch Zuwanderung vermehrt hatte, das herkömmliche Gotteshaus. Den Reformierten blieb, sicher unzureichend, ein alter Rathaussaal. Unter größten Anstrengungen wurde 1740 -1747 die Errichtung eines bescheidenen barocken Kirchleins unternommen, wobei Teile der gotischen 1427 erstmals erwähnten St. Michaelskapelle einbezogen wurden. 140 Jahre diente dieses so seiner Bestimmung, dann befand sich das Gebäude im Zustand stärkster Hinfälligkeit. Die Höhe der Reparaturkosten ließen 1886/87 Pläne zur Realisierung eines würdigen Neubaus aufkommen (siehe 10), nach dessen Verwirklichung das Gebäude profaniert wurde. Heute wird der ehemalige Kirchenbau als Feuerwehrhaus genutzt.

Im schmiedeeisern eingefassten Geviert auf der eichenbeschatteten Freifläche zwischen ehemaliger reformierter und katholischer Kirche erinnert eine Germania-Statue (das Schwert fehlt!) aus grauem Sandstein auf einem Sockel aus rotem Sandstein an den Frankreich-Feldzug 1870/71. Einst als Kriegerdenkmal den hiesigen Gefallenen gewidmet, vermittelt die Anlage zugleich sehr eindrucksvoll jene allgemein aufgekommene patriotisch-verherrlichende Begeisterung im Zeichen der neuen Reichsgründung.